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„Lass doch einfach mal los“

17. Apr.
3 Min. Lesezeit
Der Moment, in dem nichts mehr greift, ist oft genau der, in dem etwas neues beginnt.
Der Moment, in dem nichts mehr greift, ist oft genau der, in dem etwas neues beginnt.

…das hört man oft von Menschen, die’s gut mit einem meinen und oft gerade in Scheißphasen, in denen mal wirklich gar nichts ist – und schon gar nicht einfach… Alte Muster und Programme zerren an einem, neue sind nicht in Sicht. Das L E B E N meint’s mit einem gerade wieder irgendwie – „komisch“. Und der liebe G O T T sitz mal wieder an seinen Spielzeugeisenbahntrafos und setzt die Kreaturen nach Belieben kräftig unter Strom, warum? Weil’s ihm Spaß macht…

 

Lange habe ich versucht loszulassen – immer wieder und immer wieder erfolglos. Mich blockierte immer der Gedanke, ich müsse das Alte loslassen und dafür schon etwas Neues in petto haben, was das Alte sicher ersetzen kann.

Und: nichts fiel mir ein – warum auch? Mir wurde klar, dass sich das Alte – und ist es noch so unangenehm – auch große Vorteile hat: Man muss sich nicht bewegen, man kann sagen, „ich weiß nicht“, man kann Opfer bleiben, schön bequem und in Sicherheit. Schließlich hat man ja all die Jahre (über)lebt und wer weiß es schon ob das Neue, wenn es nicht zum sofortigen Tod führt, so doch zumindest mal saugefährlich sein wird…

Irgendwann stellte sich mir die Frage: Bin ich überhaupt bereit, auf die Vorteile meiner Scheißphasen zu verzichten, auf die Vorteile meiner (ggf. auch schweren) Krankheiten, auf die Vorteile meiner Ängste???

 

Ja, loslassen ist gefährlich – nur für wen? Für mich? Oder nur für meinen Kopf, der immer die Kontrolle bewahren möchte, möglichst Energie sparen und wenig anstrengen, immer Sicherheit haben will, jetzt schon abschätzen können, was die Zukunft mit möglichst hoher Wahrscheinlichkeit bringen wird…

 

Ich wollte jetzt mal gar nichts und begab mich auf die Reise.

Ziel: ungewiss. Sicher ist nur: ich mache mich auf den Weg – ohne Planung, ohne Automatismen, ohne täglich feste Abläufe.Neue Gegenden, neue Umstände. Und mit dem „Nicht-Wissen-Müssen“, was in 5 Minuten passiert und was hinter der nächste Kurve kommt.

 

Nach und nach fühle ich, was loslassen bedeutet: Nicht das Losreißen von Gedanken, die sowieso tun, was sie wollen. Sondern das neu erfahren, das neu leben, das neu unternehmen – neue Wege…

 

Mir wurde mehr und mehr klar, dass alles durch mich initiiert ist, was mir in meinem Leben widerfährt, und ich ersetze „L E B E N“ und „G O T T“ gegen „I C H“. Ich bin der Initiator – auch und gerade von Situationen, in denen’s mir richtig scheiße geht, in denen Ängste hinter jedem Busch sitzen, in denen alte Sicherheit fehlt und neue nicht in Sicht ist.

Was bleibt, ist der Weg. Geh‘ ihn – einfach weiter. Geh‘ ihn – halt notfalls mit Angst. Geh ihn – halt einfach ohne Sicherheit und ersetz‘ die Emotionen durch Beobachten; Beobachten, was da gerade mit mir geschieht, wo es reibt, wo sich der Magen verkrampft, wo das Arschwasser kocht und schau, was hierfür gerade der Auslöser ist, wann ich diese Angst zum ersten Mal fühlte…

Das jetzt loslassen zu wollen ist Quatsch. Du kannst (d)einem Kind im dunkeln Keller jederzeit sagen, es müsse keine Angst haben. Und es wird sich trotzdem fürchten. Aber: Du kannst es an die Hand nehmen und sagen: Ich bin hier und du bist hier und wir gehen weiter. Schritt für Schritt, bis die Bedrohung immer weniger wird und bis sich irgendwann die Angst auflöst

 

Wichtig sind für mich hier zwei Dinge:

1. Es wäre eine Illusion zu glauben, man könnte in seinem Leben alle Probleme lösen, die einem begegnen. Aber ich werde lernen können, mit ihnen umzugehen.

2. Mut ist, wenn du Angst hast und es trotzdem tust.

 

Heute? Ich bin immer noch auf der Reise und trete immer wieder neue an. Noch längst ist nicht alles easy und es kommen auch immer wieder Scheißphasen. Aber es hat sich in mir einiges geändert: Insbesondere meine Sicht auf die Probleme, die ich früher weghaben wollte. Heute sind sie unverzichtbare Wegbegleiter, denn sie sind einzigartige Gelegenheiten zu neuen Erfahrungen, zu neuen Erkenntnissen und am Ende zu innerem Wachstum.

 

Ja, gute Wegbegleiter sind wichtig. Allein schaffst du’s nicht.

Danke, Anne für deine immer wieder neue Klarheit, deine (oft auch schmerzhafte) Ehrlichkeit.

 

Niklas

 


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