Warum Kinder an das Christkind glauben sollten – und warum diese Phase so wertvoll ist
- Anne

- 7. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Lange bevor es das Christkind gab, hatten Kinder in allen Kulturen Figuren, die ihnen die Welt erklärten: Lichtgestalten, Winterwesen, Schutzgeister, Ahnen, Naturwesen.
Überall auf der Welt erzählten Erwachsene ihren Kindern Geschichten von unsichtbaren Kräften, die Gutes bringen, beschützen oder die dunkle Jahreszeit erhellen.
Warum?
Weil Kinder seit jeher eine ganz besondere Art haben, die Welt zu verstehen.
In der frühen Kindheit leben sie in einer Entwicklungsphase, die Psycholog*innen „magisches Denken“ nennen.
In dieser Phase ist Fantasie kein Spiel – sie ist ein Werkzeug.
Kinder brauchen magische Figuren, weil ihre Vorstellungskraft ihnen hilft, Gefühle zu ordnen, Zusammenhänge zu verstehen und Sicherheit in einer riesigen, oft überfordernden Welt zu finden.
Das Christkind ist deshalb nicht einfach eine moderne Tradition.
Es ist die Fortsetzung eines uralten menschlichen Bedürfnisses:
Kindern eine Form zu geben, in der Hoffnung, Geborgenheit und das Gute sichtbar werden können.
Aus pädagogischer Sicht erfüllt diese magische Phase wichtige Funktionen:
Kinder lernen, dass es Kräfte gibt, die ihnen wohlgesonnen sind.
Sie erleben, dass Wünsche eine Sprache haben dürfen.
Sie entwickeln die Fähigkeit, an das Gute zu glauben – nicht blind, sondern emotional verankert.
Und sie erfahren, dass die Welt mehr enthält, als das, was man messen und erklären kann.

Diese magische Phase ist so bedeutsam, weil sie das Fundament für spätere Fähigkeiten bildet:
Für Kreativität, Empathie, Problemlösung, Mut und Resilienz.
Ein Kind, das erleben durfte, dass Wunder möglich sind, ist später eher in der Lage, selbst Lösungen zu finden, Hoffnung zu behalten und innere Stärke aufzubauen.
Wenn wir Kindern das Christkind zu früh nehmen, nehmen wir ihnen nicht nur eine Figur.
Wir nehmen ihnen einen Entwicklungsschritt.
Einen Raum, in dem sie sicher, geborgen und verbunden mit etwas Größerem wachsen dürfen.
Einen Raum, der ihnen hilft, sich emotional zu orientieren, bevor die rationalere Welt sie fordert.
Das Christkind erfüllt heute dieselbe Aufgabe, die magische Wesen schon immer erfüllt haben:
Es hält die Tür offen zu einer kindlichen Welt voller Staunen.
Es schenkt Wärme in einer Zeit, in der die Welt groß wirkt.
Es stärkt die innere Vorstellung, dass das Gute existiert – und dass es seinen Weg findet, auch wenn man es gerade nicht sehen kann.
Diese Phase vergeht von selbst.
Und wenn sie vorbei ist, bleibt etwas zurück, das ein Leben lang trägt:
Die Fähigkeit zu hoffen.
Die Fähigkeit, an das Gute zu glauben.
Und die Fähigkeit, sich selbst wieder Geborgenheit zu schenken, wenn das Leben einmal dunkel wird.



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